Karin Garstenauer

Das Schwein aus meinem Bild "Schwein mit Rosen" ist lebendig geworden.

Die Autorin Elisabeth Schwaha hat es zum Leben erweckt und zum Hauptdarsteller in einem Märchen gemacht.

Hier geht es in die zauberhafte Welt von Elisabeth Schwaha`s Geschichten, Märchen, Gedichten und den phantasievollen Fantasy Roman "Urschl Untam in Midgard"

http://lilaia.jimdo.com/

                                                                                                                               Karin Garstenauer


 

Die Geburt eines kleinen Schweinderls

Ich fotografiere gerne. Vor allem Eichhörnchen. Und ich bastle gerne. Auf der Suche nach schönen Bildern für meine Weihnachtskarten landete ich vor zwei Jahren auf DeviantArt und begann bald, meine Eichhörnchenbilder dort einzustellen.

Eines Tages entdeckte ich ein wunderschönes Schweinchenbild, das mich sehr beeindruckte. Ein Bild, in dem eine Geschichte steckte. Ein Schwein voller Poesie. Ich nahm es in meine Favoriten auf.

Nun muss ich erwähnen, dass ich auch gerne schreibe. Märchen, Gedichte, Kurzgeschichten. Das Schweinchen lachte mich so richtig an, aber ich war anderweitig beschäftigt und vergaß es wieder.

Irgendwann fand ich unter einem meiner Eichhörnchenfotos einen netten Kommentar, sah mir daraufhin das Profil der betreffenden Userin an und stellte überrascht fest, dass es „die mit den herzigen Schweinderln“ war und dass ich schon einige ihrer Bilder in meinen Favoriten hatte. Bei einem Bild fragte ich einmal, ob es da eine Geschichte dazu gäbe. Es stellt eine Ziege und einen Raben dar, ein Gespann, das Fragen aufwirft. Die unerwartete Antwort war nein, aber ich könne ja eine schreiben.

Und schließlich wurde nach einigem Hin und Her, Schweinderl oder Ziege, Drei, das abenteuerlustige Ferkel, das kein Schnitzel werden wollte, von Cundrie, der Zauberin, und einer Tempelziege geboren und mit dem Buch „Tiermärchen“ aus dem Sperling-Verlag in die Welt entlassen.

Elisabeth Schwaha

 


Leseprobe aus dem Buch Tiermärchen , Sperling Verlag

 


Das Schweinchen und die Rosen

Drei hatte sich unter dem Bretterverschlag durchgewühlt – wieder einmal – und stakte auf seinen kurzen Beinchen über die Wiese zu den Rosensträuchern. Drei war das dritte aus einem Wurf von fünf Ferkeln, die mit ihrer Mutter in einem Koben des Waldbacherhofs lebten.
Der laue Sommerwind trug ihm den Rosenduft zu und vertrieb die lästigen Fliegen. Drei schnupperte glücklich. Rosen rochen ebenso gut wie die Lilien am Waldrand – und viel besser als die von Mama so hochgeschätzten Trüffeln. Vielleicht sollte er ihr welche holen? Sie würde sicher wieder böse sein, weil er in den Rosengarten ausgerissen war. Trüffeln würden sie vielleicht milder stimmen.
Schon lief er zum Wald hinauf, schnüffelte an den Lilien und grunzte den Lilienelfen einen freundlichen Gruß zu. Lachend umschwirrten sie ihn und warfen ihm Hände voll duftenden Blütenstaubs nach.
Der Wald umfing ihn mit ehrwürdiger Ruhe und wunderbaren Gerüchen nach Erde, Moos, Laub und Tannennadeln. Und Trüffeln. Drei scharrte im weichen Boden und holte einige kleinere Knollen heraus.
Ganz vorsichtig, um von niemandem erwischt zu werden, kehrte auf den Hof zurück und kroch unter den Brettern durch zu Mama und den Geschwistern.
Wo warst du schon wieder? Der Bauer ist schon aufmerksam geworden!“, schimpfte Mama, warf einen Blick auf die mitgebrachten Trüffeln, verschlang sie mit einem Happs und setzte ihre Vorhaltungen fort. „Ein anständiges Schwein reißt nicht aus! Es weiß, wo sein Platz ist und geht nicht unnützen Träumen nach! Es frisst, was es kriegt, und wird groß und stark! Nur die Kräftigen, Gesunden und Wohlerzogenen dürfen lange leben und wohlerzogene Kinder bekommen. Wenn du dich nicht endlich anpasst, wirst du bald am Schlachthof enden. Du bist eine Schande für alle Schweine! Riecht an Rosen und träumt von Elfen!“
Schadenfrohes Grunzen der Geschwister begleitete Mamas Vorwürfe. „Du weißt, dass wir nach unserem Tod an die Ewigen Futtertröge gelangen, aber für Eigenbrötler wie dich ist dort kein Platz. Dorthin kommen nur brave Schweine!“
Aber es gibt doch so viel Schönes in der Welt, das kann doch nicht schlecht sein?“, schniefte Drei.
Das ist Firlefanz, nichts für ein anständiges Schwein.“
Was ist das denn für ein Lärm hier?“ Der Bauer war herangekommen und rüttelte am Bretterverschlag. Die Geschwister, bis auf Drei, verkrochen sich hinter Mama, die den Bauern beschwichtigend angrunzte.
Du verdammtes Ferkel! Warst du wieder an den Rosen? Na, warte, jetzt reicht’s mir! Du wirst mir keine Rosen mehr zertrampeln!“ Er warf einen wütenden Blick auf die Grabspuren unter dem Gatter, machte auf den Absätzen seiner Gummistiefel kehrt und ging zum Heuschober.
Siehst du, das hast du jetzt davon! Nun wirst du geschlachtet, dummes Ferkel!“
Ach, Mama, ich will nicht geschlachtet werden! Kannst du mir nicht helfen? Ich will auch nie wieder ausreißen!“
Dafür ist es zu spät. Was der Bauer sagt, ist Gesetz.“
Der Bauer war zurückgekommen, einen großen Sack in den Händen, den er Drei überwarf und zuband, so sehr sich das Ferkel auch dagegen wehrte. „Halt still!“, schrie Mama, „Es nützt dir ja doch nichts! Denk an die Ewigen Futtertröge!“
Halt still, du blödes Ferkel!“, schrie auch der Bauer und schlug mit seiner schweren Hand auf den tobenden Sack ein. Da wurde Drei still. Er ließ sich ohne Gegenwehr mitsamt dem Sack aufheben und auf die Ladefläche des großen Autos werfen.
Es war schrecklich! Der Kopf, den er sich beim Aufprall angeschlagen hatte, tat ihm weh, sehen konnte er nichts, und das Rütteln des fahrenden Autos drehte ihm den Magen um. Drei quiekte laut auf und schrie um Hilfe. Doch von Mama kam keine Antwort. Vielleicht waren sie auch schon zu weit weg.
Dreis Hilferufe drangen bis zum Waldrand und wurden von den Lilienelfen gehört. „Ach, der arme Drei!“, rief Prinzessin Lilinora. „Was tun sie ihm an? Wir müssen sofort die Waldfee verständigen, sie kann ihm vielleicht helfen!“ Und schon flogen zwei kleine, weiße Elfen ins Herz des Waldes.
Drei spürte plötzlich eine sanfte Berührung durch den Sack, roch Erde und Pilze. Und schon wurde es hell um ihn. Er blinzelte ins Sonnenlicht. Der Sack war aufgebunden, lag um ihn herum wie eine Regenlache, und die Waldfee lächelte ihn freundlich an. „Die Lilienelfen haben mich hergeschickt. Ich werde dich jetzt mitnehmen in meinen Wald, wo dir nichts mehr geschehen kann, aber zuvor wollen wir dem Bauern noch eine kleine Überraschung bereiten!“
Verschmitzt lachend zauberte sie einen fauchenden Luchs herbei, steckte ihn in den Sack und band diesen zu. „Da wird der Bauer Augen machen! Und keine Sorge, der Luchs wird wohlbehalten zu uns zurückkehren, dafür habe ich gesorgt!“
Bei der Waldfee war es wunderschön, dennoch war Drei unglücklich. Er hatte Heimweh, vermisste Mama und die Geschwister, sogar den Bauern und die Bäuerin. Nur den Blumengarten vermisste er nicht, denn um das Häuschen der Waldfee herum lag ein wundervoller kleiner Park, in dem er mit Waldvögeln und Eichhörnchen spielen oder einfach nur im Gras liegen und den Blütenduft einatmen konnte.
Eines Tages kam der Wildschweinfürst zur Waldfee. „Ach, ist das nicht das naseweise kleine Ferkel, das immer meine Trüffeln stiehlt?“, knurrte er.
Du hast mir selbst die Trüffelplätze gezeigt!“, rief Drei. „Das ist so gut wie eine Erlaubnis, sie auszugraben!“
Dröhnendes Gelächter. „Ganz schön frech für so einen rosaroten Ringelschwanzträger! Ich bin immer noch der Meinung, du wärst ein leckerer Nachtisch für mich! Für eine Hauptspeise hast du ja leider zu wenig Speck auf den Knochen.“
Ich bin keine Hauptspeise und auch kein Nachtisch!“ Drei begann jämmerlich zu quieken. „Warum wollen mich immer alle fressen? Was habe ich euch denn getan?“
So ist das Leben: Fressen und gefressen werden!“, brummte der Keiler.
Nur fressen und gefressen werden? Und was ist mit den Rosen?“
 

Ja, was ist mit den Rosen? Gibt es eine Antwort für das kleine Schweinchen?
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